Pflanzenheilkunde (Phytotherapie)

Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) ist der Gebrauch von Pflanzen und deren Inhaltsstoffen zu Heilzwecken. Hierbei finden unterschiedliche Teile der Pflanzen Anwendung. So z.B. deren Blätter, Samen, Wurzeln etc. Die Zubereitungsmöglichkeiten, Anwendungen (Indikationen) und Wirkungen sind dabei sehr vielfältig. 

Im Zusammenhang mit der Pflanzenheilkunde fällt oft der Begriff "Pflanzendrogen". Dies hat jedoch nichts mit der umgangsprachlichen Assoziation von Rauschmitteln zu tun! Die etymologische Bedeutung (Herkunft der Geschichte eines Wortes) Droge stammt vom Niederdeutschen Drög bzw. dröge und bedeutet trocken (Jakob und Wilhelm Grimm, 1854).

Obgleich auch frische Bestandteile von Pflanzen (Blüten, Blätter, Früchte, Rinden, Samen, Stängel, Wurzeln etc.) in der Phytotherapie Anwendung finden, so besteht der Großteil doch aus getrockneten Teilen. Daher also der ursprüngliche Begriff der Pflanzendrogen.

Unsere heimischen Pflanzenarten besitzen eine mannigfaltige Kraft an natürlichen Wirkungsweisen, was sie zu einer nebenwirkungsarmen Alternative zu chemischen Arzneimitteln macht. Obwohl - oder gerade weil - es sich um natürliche Heilmittel handelt, besitzen diese trotzdem ein breites Wirkungsspektrum (Kaufhold, 2007).

Gekonnt dosiert und sinnvoll eingesetzt können Heilpflanzen den menschlichen Organismus sanft bei seiner Selbstheilung unterstützen. Zu den Herstellungsverfahren und  Darreichungsformen in der Phytotherapie zählen unter anderem:

  • Teemischungen
  • Aufgüsse
  • Abkochungen
  • Pulver
  • Tinkturen
  • Presssäfte
  • Sirup
  • Latwerge (Leckmittel)
  • Breiauflagen
  • Bäder
  • etc.

Die reiche Fülle an pflanzlichen Wirkmechanismen ermöglicht es mir als Heilpraktiker meinen Patienten - im Rahmen der Phytotherapie - eine sanfte und nebenwirkungsarme naturheilkundliche Therapie angedeihen zu lassen. 

Zu Beginn der 1930er Jahre begründete der Deutsche Internist und Professor für Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) Rudolf Fritz Weiss (1895-1991) die wissenschaftliche Pflanzenheilkunde (Weiss, 1985). Die heilsame Wirkung der Natur bzw. der Pflanzen ist aber schon seit Jahrtausenden in den unterschiedlichsten Kulturen weltweit bekannt und gebräuchlich. In China wird sie im Rahmen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) genutzt und in Japan ist sie z.B. als Kampō bekannt. 

Zu den historisch berühmtesten Vertretern von Pflanzenheilkundlern gehören z.B. Hippokrates (5. Jh. v. Chr.), die Äbtissin Hildegard von Bingen (1098-1179), Paracelsus (Theophrastus Bombastus von Hohenheim, 1493-1541), Friederich-Wilhelm Serthürner (1783-1841), Sebastian Kneipp (1821-1897), Maurice Meségué (1921-2017) oder eben Prof. Weiss. 

 

 


Quellen

Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig 1854-1961. Quellenverzeichnis Leipzig 1971. Online-Version vom 24.02.2019. 

Rudolf Fritz Weiss: Hin und wieder etwas Weißdorn. In: Die Zeit. 7. September 1985, Online Zugriff, vom 24.2.2019

Kaufhold, P. Phytomagister : Zu Den Wurzeln Der Kräuterheilkunst ; Modernes Und Traditionelles Wissen Der Pflanzenheilkunde Für Praxis Und Unterricht, 26. Ausg.; Books on Demand GmbH: Norderstedt, 2017; Vol. 1 /., S. 9.